TK Industrial Solutions - Faszinierende Giganten


Anlagen der thyssenkrupp Industrial Solutions sind rund um den Globus im Einsatz

Mit kleinen Dingen kann Franz Wolpers nicht so richtig etwas anfangen. Die überlässt er gerne anderen. Was ihn wirklich begeistert, sind große Maschinen und Anlagen. Zu seinen Favoriten gehören die sogenannten kontinuierlichen Schiffsentlader Das sind gigantische Konstruktionen auf Schienen, die Kohle oder Eisenerze aus Schiffen entladen. Anstelle einer offenen Greiferschaufel haben die eine Art Rüssel, in dem sich zwei Kettenstränge mit Schaufeln befinden. Damit lässt sich das Schüttgut schnell und gleichmäßig aus den Laderäumen fördern. Und das alles geschieht auch noch sehr umweltfreundlich, da aufgrund des geschlossenen Systems weder Kohle noch Erze ins Hafenwasser oder auf die Kaianlagen rieseln.

Wenn möglich, versucht Wolpers bei der ein oder anderen Inbetriebnahme einer solchen Anlagen dabei zu sein. Beispielsweise in Malaysia – in der Nähe zur Grenze nach Singapur, wo gleich zwei blau-weiß gestrichene Ungetüme am Kai stehen. Sein Lieblingsplatz ist dann die Bedienerkabine dieser Riesen, vorn am äußersten Punkt des Auslegers. „Wenn ich von dort mehr als 40 Meter in die Tiefe schaue und sehe, wie die Schaufeln in den Bauch des Schiffes tauchen, wobei sich mehr als 1.500 Tonnen Stahl zentimetergenau bewegen lassen, dann weiß ich, warum ich Ingenieur geworden bin“, erzählt er mit spürbarer Begeisterung.

Wolpers hat einen verbreiteten Jungentraum zu seinem Beruf gemacht. Er ist zwar nicht direkt Baggerführer oder „Operator“ für Schiffsentlader geworden, dafür leitet er aber die thyssenkrupp Industrial Solutions (vormals unter dem Namen ThyssenKrupp Fördertechnik bekannt) im saarländischen St. Ingbert-Rohrbach, ein Unternehmen, in dem mehr als 330 Techniker, Ingenieure und Kaufleute beschäftigt sind. Diese Experten entwickeln Maschinen und Anlagen, mit denen Rohstoffe in großen Mengen umgeschlagen werden.

Der Standort ist Teil des weltweit operierenden Anlagenbaus von ThyssenKrupp, zu dem unter anderem der Bau von Anlagen für die Chemie- und Zementindustrie gehört sowie Maschinen und Anlagen für die Gewinnung, Aufbereitung und den Transport von Rohstoffen. Das sind beispielsweise Schaufelradbagger, Großbrechanlagen für Erze und Kohle aber auch besagte Schiffsbelader und -entlader unterschiedlichster Typen, die eines gemeinsam haben: Sie alle sind groß und Einzelanfertigungen. Bis heute haben thyssenkrupp Industrial Solutions und die Vorgängerunternehmen weltweit bereits mehr als 5.000 Anlagen entwickelt und gebaut. In St. Ingbert hat man sich auf den Bereich „Materials Handling“ spezialisiert. „Unsere Technik kommt überall dort zum Einsatz“, erklärt Standortleiter Wolpers, „wo Massen von Abraum und Mineralien effizient und kostengünstig, und dabei möglichst umweltschonend, abgetragen, aufbereitet und umgeschlagen werden.“

Das passiere im Tagebau und in Steinbrüchen sowie in Hafenterminals, Kohlekraftwerken und auf Lagerplätzen. Wird beispielsweise Steinkohle aus Südafrika zu einem Kohlekraftwerk in Deutschland geliefert, kann die Kohle theoretisch rund acht Mal mit Maschinen und Anlagen von ThyssenKrupp bewegt und umgeschlagen worden sein. Das reicht vom Schaufelradbagger mit angeschlossenen, kilometerlangen Förderbändern im Tagebau bei Johannesburg, über die Schiffsbeladung im Exporthafen in Südafrika, die Schiffsentladung im Importhafen in Holland, bis zur Beschickung des Kohlebunkers des jeweiligen Kraftwerks. Die ThyssenKrupp Fördertechnik zählt weltweit seit vielen Jahren zu den führenden Anbietern entsprechender Maschinen und Systeme.

In St. Ingbert wird entwickelt, projektiert, kalkuliert, konstruiert und die jeweilige Fertigungsüberwachung, der weltweite Zukauf von Komponenten und Stahlbau, die  Inbetriebnahme sowie der Service und die Montage der Maschinen und Anlagen organisiert und verantwortet. Produziert werden die Anlagen dann weltweit, meistens vor Ort und von unterschiedlichen Zulieferern. Für die Verantwortlichen ist das eine besondere Herausforderung. „Während beispielsweise die Automobilindustrie bei neuen Modellen unzählige Testfahrten und Crashtests durchführen kann“, so Wolpers, „ist bei uns die Inbetriebnahme beim Kunden der eigentliche Test.“ Fehlversuche dürfe es da nicht geben. Die einzelnen Komponenten, die meistens aus verschiedenen Teilen der Welt kommen, müssten dann einwandfrei funktionieren.

Zu den Zulieferern gehören nach Angabe von Wolpers auch zahlreiche, hochspezialisierte M+E-Unternehmen aus dem Saarland. „Wir holen nicht nur für uns Arbeit rein, wir eröffnen für viele Firmen auch den Weltmarkt, den manche  sonst nur schwer erreichen würden.“ Nicht der Stahlbau der Maschinen, sondern vor allem technisch hochwertige und komplexe Produkte wie beispielsweise Motoren, Getriebe, Schaltanlagen und Steuerungen werden auch aus der Region zugeliefert. Die Qualität der Produkte sei gut, Abstimmungswege seien kurz und in vielen Fällen seien die Preise auch noch „sehr wettbewerbsfähig“.

Der Standort St. Ingbert-Rohrbach hat übrigens eine lange Tradition. Bereits 1905 gründete Ernst Heckel an gleicher Stelle die Gesellschaft für Förderanlagen. In den ersten Jahrzehnten produzierte das Unternehmen vor allem für die saarländische Bergbauindustrie Seilbahnen für Unter- und Übertage. Mit dem hier erworbenen Know-how engagierte man sich später im Personen-Seilbahnbau. Seilbahnen wie auf den Tafelberg in Kapstadt, den Zuckerhut in Rio oder auf Deutschlands höchsten Berg, die Zugspitze, fallen in diese Zeit. Diesen Bereich hat ThyssenKrupp allerdings vor einigen Jahren an einen österreichischen Spezialisten abgegeben.

Geblieben ist aus diesem Geschäft eine Menge Erfahrung und Wissen, die an anderer Stelle mit Erfolg umgesetzt wird. Die Saarländer sind damit nämlich zu einem der weltweit führenden Anbieter von Kabelkrananlagen geworden. Kabelkrane werden vor allem beim Bau von Staudämmen eingesetzt. Tragseile überspannen die Baustelle bis zu einer Länge von über zwei Kilometern ohne Zwischenstützen. Die Tragseile sind bis zu 12 Zentimeter dick und können Lasten bis 50 Tonnen tragen. Sie dienen in erster Linie dem schnellen und zentimetergenauen Transport von Betonkübeln und Baumaschinen, die schon mal 30 Tonnen wiegen können. „Beim Talsperrenbau“, so Wolpers, „gibt es zwei wichtige Anlagen, von denen das Gelingen des gesamten Bauwerks abhängen kann: die Betonmischanlage und den Kabelkranen.“

Und das sind dann auch wieder die großen Dinge, die Franz Wolpers so faszinieren. Kabelkrane von ThyssenKrupp haben geholfen, die größten Staudämme der Welt zu errichten, unter ihnen der Drei-Schluchten-Damm in China und der Itaipu-Damm an der Grenze von Brasilien und Paraguay.


Text und Fotos: Pit Junker

Kontaktdaten des Unternehmens im Saarland

ThyssenKrupp Industrial Solutions AG
Business Unit Resource Technologies
Ernst-Heckel-Strasse 1
66386 St. Ingbert-Rohrbach
Telefon 06894 599-0

www.thyssenkrupp.com