Siemens Saarbrücken pflegt erfolgreiche Hochschulkooperation

Partnerschaft mit Tradition

Seit 30 Jahren pflegt Siemens Saarbrücken eine erfolgreiche Hochschulkooperation – und sichert so schon früh den Fachkräftenachwuchs.

Das Feedback von ganz oben? Exzellent. „Vor einigen Wochen war Siemens-Technikvorstand Klaus Helmrich hier, dem haben wir das auch präsentiert“, sagt Achim Pecka. „Der war völlig begeistert. Ob wir das der Konzernforschung schon gezeigt hätten?“ Pecka, Leiter der Siemens-Niederlassung Saarbrücken, ist die Zufriedenheit anzusehen, wie er da sitzt und erzählt. Schließlich ist das erfolgreiche Engagement seines Standorts in der Nachwuchsförderung gerade in mehrerlei Hinsicht gut sichtbar geworden.


Neue Ideen für die Prozessautomatisierung
Da ist einerseits die technische Innovation: Jenes „das“, von dem Helmrich so beeindruckt war, ist die Bachelor-Arbeit eines 25-jährigen Studenten der Elektrotechnik an der htw saar in Saarbrücken. Alexander Marczinkowsky stand vor der Herausforderung, die Regelung einer CNC-Maschine für die Hochschul-Lehre nachzubauen – ohne eine CNC-Maschine zu haben. „Eine komplette Werkzeugmaschine macht sich im Labor aus Schmutz- und Lärm- und Geldgründen schlecht“, sagt er. In monatelanger Arbeit musste er also einen Aufbau entwickeln, der der Maschine möglichst nahe kommt. Dazu hat Marczinkowsky einen Siemens-SINUMERIK-Steuerungsstand mit einem selbstgebauten Plotter verbunden, einer Art elektronischem Zeichenbrett, das über die SINUMERIK angesteuert wird. Er hat sie so programmiert, dass die Bewegungen, die sonst ein Werkzeug an einem Stück Metall ausführt, nun ein Stift auf einem Blatt Papier vollzieht – und weil der das nur zweidimensional kann, muss die dritte Dimension in der Steuerung simuliert mitlaufen.


Was für den Laien schon spannend genug klingt, hat in einem zentralen Bestandteil auch die Experten verblüfft: „Der Clou an der Sache ist, dass man Zeichnungsdaten wie etwa Firmenlogos einscannen kann, die dann automatisch in ein Maschinenprogramm umgesetzt werden und auf die Maschine übertragen werden können“, sagt Benedikt Faupel, Professor für Regelungstechnik und Betreuer der Arbeit. So lässt sich mit einem Stift „Herz der Wirtschaft“ auf einen Tablet-Bildschirm schreiben, die Bilddatei wird auf Knopfdruck in ein Dateiformat umgewandelt, das auch die SINUMERIK und der angehängte Plotter verstehen, und schon legt der Stift in seiner filigranen Haltevorrichtung los und fährt vordefinierte Linien ab. Ein womöglich wichtiger Schritt zur weiteren Automatisierung von Arbeitsabläufen in der Werkhalle: „Wir suchen immer den Effizienzfortschritt beim Weg des Designs eines Werkstücks hin zur Maschine“, sagt Pecka dazu. „Und das ist Herrn Marczinkowsky durchaus gelungen. Was er gemacht hat, geht über die Anforderungen an eine Bachelor-Thesis hinaus.“ Der praktische Einsatz von Marczinkowkys Entwicklung könnte einmal sein, dass man etwa Werkstücke mit einem 3D-Drucker einscannt und die Daten zum Nachbauen an eine angeschlossene CNC-Maschine schickt.


Ein Beispiel gelungener Zusammenarbeit
Andererseits zeigt die Tatsache, dass Pecka, Faupel und Marczinkowsky heute gemeinsam in einem Labor der htw vor der Maschine stehen, auch den strukturellen Erfolg einer langjährigen Kooperation zwischen Wirtschaft und Hochschulen. Seit inzwischen 30 Jahren arbeiten Siemens und die Hochschule für Technik und Wirtschaft zusammen. Das Unternehmen betreut Vorlesungen und Abschlussarbeiten, es stellt vergünstigte Geräte für die Automatisierungstechnik-Labore bereit, sponsert Exkursionen – und schlägt in kooperativen und dualen Studiengängen die Brücke zwischen Theorie und Praxis. „Diese Kooperation wird gelebt“, sagt Faupel. „Wir finden bei Siemens immer ein offenes Ohr, wenn es darum geht, Dinge umzusetzen.“ So sollen weitere Lehr- und Forschungsaktivitäten hinzukommen, auch arbeitet die Hochschule mit Siemens Professional Education an einem Konzept, das Studienabbrechern bessere Berufschancen gewährt.
„Die Kooperation ist so breit angelegt, dass sie für uns ein Alleinstellungsmerkmal im Siemens-Konzern ist“, sagt Pecka. Alle Studierenden in technischen Fachrichtungen sollen eine möglichst gute Ausstattung an der Hochschule vorfinden, einige natürlich auch als Siemens-Fachkräftenachwuchs gewonnen werden. „Ziel ist es, interessierten jungen Menschen zu zeigen, was Automatisierungs- und Antriebstechnik heutzutage ist, was sie kann“, sagt Pecka, „und erst im zweiten Schritt zu zeigen, wer die Firma Siemens ist. Wir profitieren einerseits im Recruiting von der Hochschule. Andererseits wollen wir aber auch eine gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen.“


„Junge Menschen sollen sich frei entfalten“
Seit dem Start 1984 haben rund 2.800 Studierende Vorlesungen von Siemens-Experten besucht, 80 Studierende im Praxissemester und 60 Abschlussarbeiten hat das Unternehmen betreut. 2002 begann das kooperative Studium mit regelmäßigen Einsatztagen im Unternehmen, 2012 dann das duale Studium, bei dem die Hochschulkurse um eine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik ergänzt werden. „Wichtig für uns ist, die ganze Bandbreite an Möglichkeiten zu haben“, sagt Pecka. „Wir wollen niemanden zu einer bestimmten Stelle hinführen, weil wir dort in drei Jahren einen Mitarbeiter brauchen. Die jungen Menschen sollen sich frei entfalten, entdecken, was ihnen Spaß macht – und wir sorgen dafür, dass sie bei uns richtig eingesetzt werden.“


Alexander Marczinkowsky könnte ein Profiteur dieser Nachwuchsarbeit werden. Sein gemeinsamer Weg mit Siemens hat im Technisch-wissenschaftlichen Gymnasium (TWG) Dillingen begonnen, einer von deutschlandweit 93 Partnerschulen, an denen der Konzern im Sinne einer besseren MINT-Bildung aktiv ist. „Mein Vater ist Tontechniker beim Saarländischen Rundfunk, dadurch bin ich in die technische Richtung geleitet worden“, sagt Marczinkowsky. „Deshalb bin ich ans TWG gewechselt, weil ich dort Technik als Leistungskurs belegen konnte.“ Er lernte die Grundlagen der Metallbearbeitung und Elektrotechnik und machte 2008 ein einwöchiges Intensivpraktikum bei Siemens, in dem er ein Automatisierungsprojekt von der Angebotsphase bis zur Abrechnung erlebte. „Siemens war immer schon ein Name für mich, und meine gute Meinung hat sich im Praktikum bestätigt“, sagt er.


Frühes Kennenlernen wird möglich
Dank des steten Austauschs mit den Lehrern am TWG wusste Siemens, dass da einer zum Praktikum kommt, der einmal gut ins Unternehmen passen könnte. Deshalb bot man Marczinkowsky als nächste Stufe einen kooperativen Studienplatz an. „Die Stellen, die wir zu besetzen haben, besetzen wir gerne mit jungen Menschen, die wir schon mindestens vier, fünf Jahre kennen“, sagt Pecka. „In der Praktikumswoche lernt man einander so kennen, dass man hinterher weiß, wer passt und wer will. Es ergibt ja keinen Sinn, jemanden auf eine Stelle zu setzen, wo er keinen Spaß hat.“
Während der Vorlesungszeit arbeitet Marczinkowsky nun einen Tag pro Woche in der Siemens-Vertriebsabteilung und übernimmt dort Aufgaben wie Antriebsauslegungen, für die er sein Hochschulwissen braucht. Dazu kommen jährlich zehn Vollzeit-Wochen in der vorlesungsfreien Zeit. Seine Master-Arbeit wird wohl auf seiner Bachelor-Thesis fußen, 2015 will er fertig sein. Das logische Danach wird aller Voraussicht nach Siemens lauten, auch wenn Pecka noch keine Jobgarantie für Saarbrücken zu Protokoll geben will.

Aber das heißt ja nichts: Die globalen Einsatzmöglichkeiten bei Siemens sind vielfältig, das Renommee der Saarbrücker ist hervorragend. „Wir haben schon viele Satelliten in die Siemens-Welt ausgesandt“, sagt Pecka. „Unsere Partner im Haus wissen, dass sie von unserer Niederlassung noch nie enttäuscht wurden.“


Text: Nicolas Schöneich; Fotos: DPA/picture-alliance/Thomas Wieck

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