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"Unsere Branche ist wie keine andere mit den Weltmärkten verwoben"
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09.01.2006
Kannegiesser in der Neuen Presse Hannove:
"Unsere Unternehmen müssen sich immer weiter internationalisieren, aber gleichzeitig darauf achten, dass die deutschen Standorte ihren Platz innerhalb der jeweiligen Sortimente und Wertschöpfungsketten behalten", so Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser in einem Interview der Neuen Presse Hannover.
2006 soll einen Wirtschaftsaufschwung bringen - gilt das auch für die Metallindustrie?
2005 ist unsere Produktion um vier Prozent gestiegen, die Rendite lag im Schnitt bei 2,7 Prozent. Aber die Schere zwischen gut verdienenden und verlustreichen Unternehmen geht immer weiter auseinander. 23 Prozent unserer Betriebe haben Verlust gemacht. Für 2006 erwarten wir insgesamt eine geringere Steigerungsrate als 2005.
Wie viele Jobs hat die Metallindustrie ins Ausland verlagert?
Unsere Branche ist wie keine andere mit den Weltmärkten verwoben - wir erleben hautnah, was es heißt, Teil eines Weltmarktes für Arbeit, Beschaffung und Absatz zu sein. Die deutsche Metall- und Elektro-Industrie besitzt 4.000 Betriebe mit 1,2 Millionen Beschäftigten außerhalb Deutschlands. Dieser Trend wird zwangsläufig weitergehen - der wesentliche Teil unseres Wachstums findet außerhalb Deutschlands statt. Der europäische Binnenmarkt ist für uns tägliche Realität. Von den fast 80 Sparten unserer Branche werden 31 mit wachsendem Tempo zunehmend Teile ihrer Produktion von nicht-deutschen Standorten aus betreiben.
Demnach sieht es finster aus für den Standort D?
Unsere Unternehmen müssen sich immer weiter internationalisieren, aber gleichzeitig darauf achten, dass die deutschen Standorte ihren Platz innerhalb der jeweiligen Sortimente und Wertschöpfungsketten behalten. Dieser Prozess muss von der Tarifpolitik flankiert werden, indem unsere Mitarbeiter ihre Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu anderen Ländern und Regionen pflegen. Unsere Lohnstückkosten sind in den letzten zwei Jahren zwar gesunken, aber absolut immer noch die höchsten aller vergleichbaren Industrieländer.
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Jedes Management muss rechtzeitig darauf achten, dass es nicht von Wettbewerbern mit deutlich günstigeren Produktionsbedingungen überholt wird. Die Gewinne von heute sagen ja wenig über die strukturelle Lage von morgen. Wer zu spät handelt, wird morgen verschwunden sein. Aber: Wenn man eine Vereinbarung getroffen hat, dann sollte man diese auch respektieren, wenn man sich das leisten kann. Sonst gehen Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit verloren. Man muss im Rahmen seiner Möglichkeiten weiche Landungen ermöglichen.
Wirtschaftsminister und Präsident haben sich für mehr Geld für die Beschäftigten ausgesprochen - muss die Kaufkraft endlich gestärkt werden?
Das Einkommen muss sich an der Leistung orientieren, nicht an dem, was wünschenswert wäre. Das Kaufkraftargument zieht nicht. Wenn wir den Lohn um einen Euro erhöhen, zahlen die Unternehmen wegen der Sozialabgaben 1,21 Euro, netto bekommt der Mitarbeiter aber nur 50 Cent. Einen Teil davon spart er, einen wachsenden Teil gibt er für ausländische Produkte aus - für die inländische Kaufkraft bleiben nur 25 Cent. Exportabhängige Unternehmen hätten ohnehin nur höhere Kosten und müssten dann Stellen abbauen.
Fordern Sie eine generelle Verlängerung der Arbeitszeit?
Je höher die Qualifikation der Mitarbeiter, umso weniger reicht eine 35-Stunden-Woche. Sie wird speziell in diesem Bereich nicht nur zu einem weltweiten Unikum, sondern auch zum Standortrisiko. Wir brauchen Spielraum für passgenaue Lösungen.
Das Gespräch führte Udo Harms, Neue Presse Hannover. Erschienen am 06. Januar 2006. zurück
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