Die Metall- und Elektro-Industrie im Saarland hat einen entscheidenden Anteil an dem gelungenen Strukturwandel zu einem Standort moderner Industrie. Der Arbeitgeberverband ME Saar hat diese Entwicklung intensiv begleitet und setzt jetzt mit aktiver Nachwuchsförderung Zeichen für die Zukunft.
Bei Umfragen zu wichtigen Automobil- und Zuliefererstandorten dürfte den meisten Menschen in Deutschland sicherlich spontan eine Reihe von Regionen einfallen, doch das Saarland wäre wahrscheinlich seltener dabei. Doch die Realität zeichnet ein anderes, eindrucksvolles Bild:
Heute finden sich hier Unternehmen aus dem Fahrzeugbau, Zulieferer und Maschinen- und Anlagenbauer. Deren Bedeutung kann im Saarland nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ohne die Stärke der Automobilindustrie, die in den vergangenen drei Jahrzehnten ständig zugenommen hat hätte das Saarland die Krisen der Montanindustrie und den dadurch ausgelösten tief greifenden Strukturwandel nicht so erfolgreich bewältigen können. Dies gilt umso mehr angesichts der Tatsache, dass in der Montanindustrie im Saarland über 80.000 Arbeitsplätze verloren gingen.
Jetzt ist das Saarland eine moderne Industrie- und Dienstleistungsregion, die sich bei Wachstum und Beschäftigung in den vergangenen Jahren zeitweise besser entwickelte als die meisten anderen Bundesländer – nicht von ungefähr gewann das Saarland mehrmals das Dynamikranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, das die Veränderungen in den Bundesländern bewertet. All das ist auch ein Verdienst der Metall- und Elektro-Industrie, vor allem der Automobilbranche.
Die Keimzelle dieser Entwicklung ist der einzige Automobilhersteller des Landes, die Ford-Werke in Saarlouis, die bereits in den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts ihre Produktion aufnahmen. Seitdem hat sich eine bedeutende Zulieferindustrie entwickelt. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln ist das Saarland das drittgrößte Zuliefererzentrum Deutschlands. Das Angebot reicht von A wie Abgasanlagen bis Z wie Zylinderblöcke. „Ob Reifen oder Getriebe, Einspritzpumpen oder Katalysatoren, Bremsen oder Kupplungsscheiben, Installationsmaterial oder Autoelektrik, Gesenkschmiede- oder Gussteile, Gummi oder Kunststoff - es gibt auf dem Markt kaum ein Vormaterial oder Zuliefererteil, das nicht ‚made in Saarland’ ist“, freut sich Wirtschaftsminister Joachim Rippel. Zu den bekanntesten Unternehmen dieser Branche zählen ZF in Saarbrücken, Bosch in Homburg und Eberspächer in Neunkirchen. Beeindruckend ist auch die Produktpalette von Thyssen Krupp Drauz Nothelfer. Das Unternehmen bietet nicht nur alle Komponenten der Prozesskette Karosserie an, sondern fertigt auch selbst Karosserien.
Die Erfolge der Vergangenheit dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Automobilindustrie vor tief greifenden Veränderungen steht. Neben technologischen Entwicklungen sind es vor allem Veränderungen der Markt- und Wettbewerbsbedingungen, die gerade für die Zuliefererunternehmen erhebliche Herausforderungen bedeuten. Diese versuchen die Unternehmen gemeinsam im Netzwerk „automotive.saarland“ zu meistern.
Die Metall- und Elektro-Industrie hat sich auch dank weiterer namhafter Unternehmen dieser Branche in den letzten Jahren zum Motor der saarländischen Wirtschaft entwickelt. Mit über der Hälfte aller Industriebetriebe und rund 64 Prozent aller industriellen Arbeitsplätze erwirtschaftete die Branche 2007 67 Prozent des Umsatzes im verarbeitenden Gewerbe. Zusammen mit dem Fahrzeugbau bildet der Maschinenbau das Herzstück der Saarindustrie. Der Grundstein dafür wurde in den sechziger Jahren gelegt. Damals erlebte das Saarland einen außergewöhnlichen Ansiedlungsboom. Namhafte Firmen wie das schwäbische Familienunternehmen Festo, ein weltweit führender Hersteller von Automatisierungstechnik, oder die aus Franken stammende Lager-Hersteller-Gruppe Schaeffler ließen sich hier nieder. Aber auch Unternehmensgründungen, wie die des Fluidtechnik-Herstellers Hydac haben an der Erfolgsgeschichte mitgeschrieben. Zusammen mit einigen kleineren Unternehmen bilden die genannten Betriebe den Schwerpunkt des saarländischen Maschinenbaus. Produziert werden vor allem Pumpen, Kugellager, Armaturen sowie hydraulische und pneumatische Komponenten.
Weitere wichtige Sparten innerhalb des Maschinebaus sind die Ausrüstung für die Automobilindustrie sowie die Förder- und Transporttechnik einschließlich der Herstellung von Industrieanlagen. Die größten Firmen in diesem Bereich sind Dürr in Püttlingen, ThyssenKrupp Drauz in Wadern sowie Thyssen Krupp Fördertechnik in St. Ingbert sowie FLSmidth Koch und und FLSmidth MVT in Wadgassen.
Bei der Betrachtung der M+E-Industrie im Saarland darf als dritte wichtige Teilbranche die Gießereiindustrie nicht vergessen werden. Das Saarland zählt nämlich zu den wichtigsten Gießereistandorten in Deutschland. Gut ein Achtel der deutschen Produktion an Gießereierzeugnissen kommt von der Saar. Größere Anteile haben nur Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg.
Dass die Branche diese Bedeutung erlangen konnte, liegt unter anderem an der starken Ausrichtung auf die Automobilindustrie. Die Saar-Gießereien liefern aber nicht nur Motorblöcke, Kurbelwellen, Zylinderköpfe und Achsschenkel. Gefertigt werden zudem typische Vorprodukte für den Maschinenbau wie Buchsen, Pumpengehäuse, Fräsköpfe und Zahnräder, aber auch Abwasserrohre, Kaminöfen und Kanaldeckel. Im Gegensatz zum übrigen Bundesgebiet bestimmen an der Saar vor allem größere Unternehmen das Bild der Branche. Zum Teil hängt das mit der Montanvergangenheit des Saarlandes zusammen. So sind beispielsweise zwei Gießereien (Halberg Guss und Saint-Gobain) direkt aus Unternehmen der Montanindustrie hervorgegangen. Aber auch ausländische Konzerne unterhalten große Zweigwerke im Saarland.
Um die Interessen all dieser Unternehmen kümmert sich der Verband der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes e.V. (ME Saar). Die über 80 Mitgliedsunternehmen beschäftigen mehr als 70 Prozent aller Mitarbeiter in der Metall und Elektro-Industrie an der Saar. Neben dem wirtschaftlichen Erfolg eint die saarländischen M+E-Unternehmen auch der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter in Zeiten des demographischen Wandels. Nach einer Befragung von ME Saar geht die überwiegende Mehrheit der Firmen von einem zunehmenden Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern aus – das gilt auch für Zeiten der Krise. Der Arbeitgeberverband unterstützt daher seine Mitgliedsunternehmen aktiv bei der Qualifizierung ihrer Mitarbeiter und der Förderung des Nachwuchses.
Um gerade die Anstrengungen beim Nachwuchs zu vernetzen und sichtbar zu machen, hat der Verband im August 2008 die Initiative „Für Technik begeistern – mit MINT zum Beruf“ gegründet. Es geht um eine breit angelegte Förderung, und zwar vom Kindergarten über die gymnasiale Oberstufe bis zur Betreuung von Studierenden in den Erstsemestern. Mit dieser Strategie möchte ME Saar gemeinsam mit den Mitgliedsfirmen gesellschaftspolitische Verantwortung beweisen und ein deutliches Zeichen in Richtung Politik setzen, die Verbesserung des Bildungssystems mit Nachdruck voranzutreiben.
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