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Beschäftigung: Ältere Arbeitnehmer fördern
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Die schleichende Lebensarbeitszeitverkürzung der letzten Jahrzehnte hat zwar phasenweise den Arbeitsmarkt entlastet, im Gegenzug aber viel wertvolles Wissen und Können aus den Betrieben der M+E-Industrie abgezogen. Mit Reformen möchten die Verbände der Metall- und Elektroindustrie jetzt verstärkt die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer fördern.
16.03.2001
Köln. Gut ein Jahr ist es her, da wollte der IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel "eine Beschäftigungsbrücke zwischen Jung und Alt bauen". Das Fundament seines Bauwerks: Die Alten ab 60 in die Rente, damit die Jungen Arbeitsplätze bekommen. Wer ihm damals nicht 100prozentig folgte, den bezichtigte er, die "weiße Fahne der Kapitulation in der Hand" zu halten.
Seit diesen Sätzen muss irgendetwas mit dem Vorsitzenden der IG Metall passiert sein. Vor kurzem forderte er nämlich einen grundlegenden Richtungswechsel zugunsten älterer Arbeitnehmer. Und der DGB-Vorsitzende Dieter Schulte meint gar, dass diese veränderte Einstellung gegenüber älteren Arbeitnehmern "insbesondere bei den Arbeitgebern" beginnen müsse.
Das allerdings hieße nun wirklich, die berühmten Eulen nach Athen zu tragen. Denn gerade für den Arbeitgeberverband Gesamtmetall ging Zwickels Forderung schon damals in die falsche Richtung. Vor allem im Mittelstand zeigt sich bis heute, dass Arbeit nicht nach Belieben zwischen den Generationen umverteilt werden kann. Ein älterer, erfahrener Leistungsträger in einem kleinen oder mittleren Betrieb ist nicht einfach durch einen Jungen zu ersetzten. Zudem würde, so Gesamtmetall vor einem Jahr, "das Recht auf Arbeit auch im Alter durch den Vorrang der Arbeitsplatzzuteilung an die Jüngeren praktisch außer Kraft gesetzt".
"Angesichts der wachsenden demographischen Lücke und der zunehmenden Schwierigkeiten, entwicklungsfähigen Nachwuchs zu rekrutieren", so Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Hans Werner Busch, "müssen wir das Qualifizierungspotential unserer älteren Mitarbeiter besser ausschöpfen." Und da besteht Handlungsbedarf, denn Deutschland belegt im internationalen Vergleich einen der hintersten Plätze bei der Beschäftigung von Menschen über 55 Jahren.
Sowohl die Internationale Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als auch die Europäische Kommission fordern daher Deutschland dringend auf, die Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer zu erhöhen, um das Wirtschaftswachstum langfristig zu sichern und gleichzeitig den demographischen Herausforderungen begegnen zu können.
Vor diesem Hintergrund drängt Gesamtmetall jetzt darauf, "zielgerichtete Maßnahmen zur Erhöhung der Beschäftigungsquote" konsequent umzusetzen. "Wir müssen dabei auf die Gewerkschaften zugehen", so Busch, "um mit ihnen gemeinsam zu erörtern, was wir als Tarifpartner tun können, damit die Beschäftigung von älteren Mitarbeitern um einiges attraktiver wird, als sie derzeit ist."
Das gelinge allerdings keinesfalls dadurch, dass die bereits vorhandenen tarifvertraglichen und arbeitsrechtlichen Bestimmungen weiter verschärft würden. "Der tarifliche Kündigungsschutz und die Verdienstsicherung für ältere Mitarbeiter bilden nicht nur hohe Einstellungs-Hürden für Ältere", so Busch, "sie sorgen gleichzeitig auch dafür, dass die Unternehmen nicht gerade motiviert sind, ältere Arbeitnehmer zum Bleiben zu bewegen."
Was als Schutzmechanismus gedacht war, hat sich in den letzten Jahren zunehmend zu einer hohen Einstiegshürde für Ältere entwickelt. Das betrifft nach Ansicht der Arbeitgeber vor allem verlängerte Kündigungsfristen, Regelungen, die eine Kündigung nur noch bei Vorliegen eines wichtigen Grundes erlauben oder Regelungen über die notwendige Zustimmung des Betriebsrats zur Kündigung. "Um die Beschäftigungschancen älterer Arbeitnehmer nachhaltig zu verbessern", so Busch, "ist die sukzessive Abschaffung dieser Klauseln unerlässlich – darüber müssen wir mit den Gewerkschaften reden."
Reden will Gesamtmetall auch über die tarifvertragliche Neugestaltung der Entgeltsysteme. So ist beispielsweise in einer Reihe von Tarifverträgen ein sogenanntes Senioritätsprinzip enthalten. Danach nimmt mit steigendem Alter und zunehmender Betriebszugehörigkeit das Verdienstniveau zu, unabhängig von der individuellen Produktivitätsentwicklung. Sind Verdienst- und Produktivitätsentwicklung aber nicht mehr im Einklang, steigt bei den Betrieben der Druck, ältere Beschäftigte über Erwerbsunfähigkeitsrenten oder über andere Modelle eines vorzeitigen Ausscheidens in das öffentliche Sozialsystem zu entlassen. "Aus diesen Fehlern müssen wir lernen", so Busch.
Gesamtmetall möchte daher in den Tarifverträgen verstärkt erfolgs- und leistungsorientierte Verdienstkomponenten entwickeln, die sich sowohl am Unternehmenserfolg als auch an den Ergebnissen des Teams oder des einzelnen Mitarbeiters orientieren können. "Wenn wir beim Entgelt zwischen unseren Mitarbeitern differenzieren", so Busch, "dann sollten wir das nur nach deren tatsächlicher Tätigkeit tun oder nach deren Beitrag zum Unternehmenserfolg – aber ganz bestimmt nicht nach deren Alter." In diesem Zusammenhang setzt Busch auf die Einsicht und Kooperationsbereitschaft der Gewerkschaften, "wie sie sie bereits im vergangenen Jahr bewiesen haben". .
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